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Ein Einblick in das Berufsleben des Illustrators der neuen Esslinger O-Busse: Interview mit Florian Bayer

(vom 08.05.2020)

Für das einzigartige Design der neuen Esslinger Elektro-Hybridbusse sorgte Florian Bayer gemeinsam mit der Agentur Blumberg. Wir haben dem freischaffenden Illustrator Fragen rund um seine Arbeit und sein Leben in Esslingen gestellt:

Florian Bayer

Florian Bayer ist gebürtiger Esslinger, absolvierte sein Abitur am Schelztor-Gymnasium, arbeitet seit 2007 als freischaffender Illustrator und doziert an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg. Zu seinen Auftraggebern gehören u. a. das „Süddeutsche Zeitung Magazin“, „Die Zeit“, „Der Spiegel“, „Mercedes-Benz“, „Geo Saison“, „Manager Magazin“, „Neon“, „The Guardian“ und „The Wall Street Journal“. Darüber hinaus illustriert er für den Gestalten Verlag mehrere Bücher. 2016 wurde Florian Bayer mit dem World Illustration Award in der Kategorie „Kommunikation Forschung und Wissen“ ausgezeichnet.

Wie kann man sich Deine Arbeit als Illustrator vorstellen?

Bayer: Das was man als Kind eben auch gerne macht, nur, dass man dafür am Ende auch Geld bekommt und es auch ein bisschen größer und weiter verbreitet ist. Man kann es sich so vorstellen, dass ich die meiste Zeit an meinem Zeichentisch sitze und viel zeichne. Hauptsächlich besteht mein Beruf darin, dass ich einen Stift in der Hand habe und mich in mein Bild vertiefen darf.

Florian Bayer bei der Feinarbeit

Florian Bayer bei der Feinarbeit an der Illustration zum Thema Wasser und Wasserversorgung in Esslingen und Umgebung. 

Wieso zeichnen?

Bayer: Im Prinzip bin ich bei dem geblieben, was ich schon als Kind gerne und als Hobby gemacht habe. Meinen Studiengang habe ich entsprechend gewählt: Kommunikationsdesign beinhaltete neben Grafikdesign, Fotografie und Film auch Illustration. Und da mir das weiterhin am meisten Spaß gemacht hat, habe ich den Beruf des Illustrators gewählt. Die Freude und Ausdauer am Zeichnen habe ich vermutlich von meinem Opa mitbekommen, der auch Zeichner und Holzschnitzer war. Er saß oft tage- und wochenlang an seinen Werken und ich saß daneben und habe mit gezeichnet und es sehr genossen. Wahrscheinlich illustriere ich auch deshalb so gerne.

Was weckt Deine Neugier?

Bayer: Ich bin generell neugierig auf sehr viele verschiedene Themen. Das genieße ich an meinem Beruf, dass man in so viele unterschiedliche Themen reinschauen darf. Das wechselt bei mir ja fast wöchentlich vollkommen durch die ganze Palette: von leichten Themen bis hin zu schweren Themen, Themen, die Spaß machen und welche die echt schwierig sind. Mal ist es aufregend und ich begleite jugendliche Drogendealer, dann ist es belastend und es geht um posttraumatische Belastungsstörungen, Demenz und andere Erkrankungen. Und als nächstes erfahre ich Wissenswertes zu Wasserstoff, medizinischen Geräten oder den Tieren Afrikas. Und mal ist es locker und leicht wie momentan - gerade zeichne ich ein Buch über die schönsten Wanderrouten Europas, da bekommt man Lust gleich loszugehen... Die Neugier habe ich auch nach all den Jahren im Beruf immer noch, das braucht man auch, um motiviert dran zu bleiben. Besonders schön ist es, wenn ich dann so ein Motiv wie nun hier für die Busse entwickeln darf und ich dafür durch die Stadt spazieren kann und nach Motiven Ausschau halte, also nicht nur am Schreibtisch sitze und mir alles im Kopf ausdenken muss. Vor Ort mit Menschen zu sprechen und die Motive kennenzulernen ist leider selten, aber meistens ein Highlight.

Was hat Dich bei dieser Arbeit besonders gereizt?

Bayer: Ganz klar, die lokale Verbindung. Das ist ja wirklich ein Glücksfall, wenn man das für die Stadt machen darf, aus der man kommt und die man gerne hat. Gepaart mit dem lustigen Zufall, dass das Projekt genau mit meiner Rückkehr nach Esslingen zusammenfiel nach siebzehn Jahren "Exil" in anderen Städten in Deutschland und England. Wir starteten mit den Überlegungen zu dem Projekt noch in meinem Studio in Berlin, dazwischen fiel dann mein Umzug nach Esslingen und plötzlich war ich in meinem Motiv drin. Das ist natürlich total schön, wenn man sich die Stadt durch die Bilder erschließen darf. Man kommt hier wieder neu an nach vielen Jahren und darf sich die schönen Ecken in Esslingen suchen. Das hat richtig Spaß gemacht!

Welches sind die schönen Ecken und welche Themen stehen im Fokus?

Bayer: Die Recherche ging durch die ganze Stadt hindurch. Die schönen Ecken sind sicherlich der Rathausplatz mit dem Altstadt-Ensemble, der Wochenmarkt, die Weinberge und der Weinbau, der Neckar und die kleinen Kanäle durch die Stadt, die Natur. Und in jeder Ecke die Kindheitserinnerungen, die ich hier habe, das gehört auch dazu. Thematisch nah sind mir auch die Fragen, wie man hier nachhaltig leben kann und das noch weiter fördern kann. Das zieht sich thematisch durch die Motive durch.

Wie würdest Du den gewählten Stil und die Machart beschreiben?

Bayer: In einem Buch über Illustration wurde mein Stil mal als Post-Realismus beschrieben. Er ist sehr nah an der Realität dran, aber gerade durch die Farbverschiebungen entsteht dabei eine Stilisierung, die verschiedene Schichten und Ebenen zulässt.

Du hast lange Zeit in Berlin gelebt und bist 2019 mit Deiner Familie zurück nach Esslingen gekommen. Was schätzt Du an Esslingen? Was macht die Stadt und die Region für Dich ganz persönlich lebenswert?

Bayer: Ich bin hier aufgewachsen, habe hier meine Kindheit verbracht und habe schöne Erinnerungen daran: Die Weinberge, die Topographie, die Altstadt und das Umland von Esslingen Stadt, da spüre ich: das ist mein Zuhause. Auch in all den Jahren, in denen ich nicht hier gelebt habe. Ich bin 2002 von hier weggezogen und auch wenn ich nur für kurze Besuche hier war, hat sich dieses Zuhause-Gefühl eingestellt. Lebenswert sind die kurzen Wege, die man in diesem schönen Ensemble hier hat, plus die schönen Wege in die Natur raus. Das habe ich nach meiner Rückkehr so wiedergefunden und fühle mich sehr wohl hier.

Wo fühlst Du dich in der Stadt besonders wohl? Was sind deine 3 Lieblingsplätze in der City?

Bayer: Ich gehe sehr gerne in die Villa Merkel und durch den Merkel-Park vorbei an dem Neckar. Mit meinen Kindern bin ich sehr gerne im Maille-Park, auf der Wiese, wenn die Sonne scheint - das ist ein guter Ort. Ich gehe gerne die Burg hoch, die Stäffeles und durch die Weinberge in den Burghof und genieße den Blick runter. Ich gehe auch gerne hinterm Obertal in den Wald, der Hainbach ist dort sehr schön und weiter oben der Blick auf Stuttgart und Rotenberg. Auf dem Hafenmarkt sitze ich gerne in der Abendsonne.

Nachhaltig lebenswert ist das Leitmotiv bei der Gestaltung der neuen Busse. Was sind für dich Themen, die damit zusammenhängen?

Bayer: Für mich ganz persönlich ist das Fahrradfahren ein wichtiger Punkt, der hier zum Teil auch schon gut funktioniert. Ich finde es gut, dass die Fußgängerzonen und viele Einbahnstraßen für Fahrradfahrer offen sind. Das findet man nicht in jeder Stadt so. Aber es gibt auch noch viel Luft nach oben. Es gibt viele Ecken, die man mit dem Fahrrad noch ein bisschen lieber und sicherer befahren würde - wenn man vorne am Neckar ist und zum Beispiel in Richtung Stuttgart fahren möchte, dann hofft man, dass es dort noch nachhaltiger wird zum Radfahren. Nachhaltig lebenswert bedeutet für mich außerdem, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, sich den Zusammenhängen bewusst zu sein, in welcher Wechselbeziehung das, was man macht, zu seinem Umfeld steht. Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt beim nachhaltigen Leben, dass man weiß, welche Konsequenzen das eigene Handeln für nachfolgende Generationen hat.

Nachhaltig lebenswert

Florian Bayer / Agentur Blumberg

Die Fortbewegung mit dem Fahrrad ist eines der Motive auf den neuen Bussen und gehört in Esslingen neben dem ÖPNV zur Zukunft der Mobilität in der Stadt.

Was würdest Du Dir in Esslingen wünschen?

Bayer: Ich glaube, wenn es Kindern hier gut geht, geht es auch Familien gut und das durchwirkt dann alle weiteren Bereiche und Generationen. Das fände ich als Fokus nicht schlecht. Zudem ist die Altstadt ein wichtiger Kern von Esslingen. Diese zu beleben, dabei das bauhistorische Erbe zu pflegen aber auch die Stadt mutig mit Zukunft zu füllen, das sollte als Wille zumindest spürbar sein. Ein Wunsch von mir wäre auch, zu überlegen, wie man den Verkehr, die Fortbewegung durch die Stadt neu denken könnte. Welchen Fortbewegungsmitteln geben wir wieviel Raum und Abstellmöglichkeiten? Öffentlicher Nahverkehr, Fahrrad und Fußgänger - das sind sicherlich wichtige Bausteine, wenn wir über Nachhaltigkeit nachdenken. Wie ist man damit gerne und sicher unterwegs? Da lohnt sicher der Blick in andere Städte. Und der Neckar, der hat unentdecktes Potenzial. Wenn man mit dem neuen Blick von außen wieder hierherkommt und sieht, wie schön die kleinen Kanäle integriert durch die Stadt laufen ist das super. Und man sieht wie nahe die Stadt doch am Fluss liegt aber der Neckar an sich oft noch ein bisschen außen vor bleibt. Sicherlich laufen und spazieren viele Leute dort gerne entlang, er wird auch genutzt von der Bevölkerung, aber er hat trotzdem eine Außenseiterrolle. Wenn ich am Ufer stehe, denke ich: Mensch, man könnte hier so viel machen, für die Fahrradfahrer, für die Fußgänger und für das Leben an sich. Man könnte hier eine echt lebenswerte Wasser-Oase daraus machen, die es, glaube ich, noch nicht ist.

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