07. Juli 2026

Teresa Brehme, Leiterin der Unternehmenskommunikation, erklärt, wie sich die Bodensee-Wasserversorgung für die Zukunft aufstellt
Seit 1960 werden Teile von Esslingen mit Trinkwasser vom Bodensee versorgt. Das lebenswichtige Nass wird im SWE-Hochbehälter Parksiedlung gesammelt und fließt von dort unter anderem in die Stadtteile Berkheim und Zollberg. Wie stellt sich SWE-Partner und Lieferant Bodensee-Wasserversorgung für die Zukunft auf? Wir haben bei Teresa Brehme, Leiterin der Unternehmenskommunikation, nachgefragt.
Brehme: Nein, es wird auch in Zukunft genug Wasser im Bodensee geben. Schwankungen im Pegelstand sind normal. Im Frühjahr war der Pegel zwar historisch niedrig, dafür im Sommer wieder hoch. Der Bodensee ist ein hervorragender Wasserspeicher, da er große Regenmassen aufnehmen kann. Trotz weniger Regen im Sommer und stärkeren Niederschlägen im Winter bleibt die jährliche Wassermenge laut Klimamodell-Prognosen stabil.
Auf die Trinkwasserversorgung hat der Pegelstand keinerlei Einfluss, da wir das Wasser aus 60 Metern Tiefe entnehmen. Die Temperatur dort beträgt gleichbleibend etwa 5 °C. Das heißt, auch von Temperaturschwankungen in höheren Schichten sind wir nicht betroffen.
Brehme: Es gibt Spitzenzeiten im Sommer, die bei unseren Verbandsmitgliedern zu Spitzenlasten führen. Deshalb haben unsere Mitglieder bereits die Möglichkeit durch Zusatzvereinbarungen an einzelnen Tagen mehr Wasser zu beziehen als vertraglich vereinbart.
Insgesamt dürfen wir aber maximal 670.000 Kubikmeter Wasser pro Tag aus dem Bodensee entnehmen. Dazu gibt es internationale Vereinbarungen, die diese Menge begrenzen, weshalb wir aktuell keine neuen Kommunen mit Wasser beliefern oder die Wassermengen für die bestehenden Kommunen erhöhen können.
Wir appellieren an die Gemeinden, dass sie ihre Trinkwasserversorgung auf mehrere Standbeine stellen: Erstens sollte man die lokalen Vorkommen nutzen und diese ertüchtigen. Zweitens sollte man sich regional mit anderen Versorgern vernetzen. Als drittes Standbein kann dann die Fernwasserversorgung dienen.
Brehme: Aufgrund der gestiegenen Kosten sind wir gerade dabei, zwei Alternativen zu prüfen. Bis Mitte des Jahres soll die Entscheidung fallen, welche Variante weiterverfolgt wird. Aber wir brauchen auf alle Fälle ein zweites Seewasserwerk. Mit einer zusätzlichen Anlage können wir dann ein Pumpwerk für Reparaturen und Modernisierungen außer Betrieb nehmen. Das ist uns im laufenden Betrieb – insbesondere während der sommerlichen Spitzenlast – derzeit nicht möglich.
Die Bodensee-Wasserversorgung wurde 1954 gegründet. Unsere Anlagen sind inzwischen 70 Jahre alt und müssen ertüchtigt werden. Das betrifft auch unsere Wasserspeicher, elektrischen Anlagen und unser Leitungsnetz.
Brehme: Die Qualität des Wassers ist nach wie vor sehr hoch. In 60 Metern Tiefe ist das Wasser rein und klar und benötigt im Anschluss nur wenige Reinigungsschritte.
Eine technische Herausforderung stellt die Quagga-Muschel dar. Diese invasive Art stört das ökologische Gleichgewicht und setzt sich außerdem am Entnahmeturm und an den Rohren fest. Teilweise gelangen die Muscheln bis ins Quellbecken auf dem Sipplinger Berg. Für uns bedeutet das einen hohen händischen Reinigungsaufwand. Die Wasserqualität wird dadurch aber nicht beeinträchtigt.
Brehme: Die bisherigen Preissteigerungen gehen vor allem auf gestiegene Energie- und Personalkosten zurück. Ein zentraler Kostenfaktor ist dabei die Energie: Wir brauchen viel Strom, um das Wasser auf den Berg zu unserem Wasserwerk zu pumpen. Deshalb setzt die Bodensee-Wasserversorgung seit einigen Jahren auf ein effizientes Energiemanagement und auf erneuerbare Energien. In den letzten Jahren haben wir auf dem Sipplinger Berg große Photovoltaikanlagen installiert und erzeugen unseren Strom nun zum Teil selbst. Bereits seit 2022 ist unser kompletter Strom CO2-neutral – ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.
Natürlich müssen auch künftige Investitionen refinanziert werden. Diese Modernisierungsmaßnahmen sichern die Versorgung auch in Zukunft, wirken sich aber auch auf die Preisstruktur aus.

Mit der Gründung der Bodensee-Wasserversorgung im Jahre 1954 sollte der große Wassermangel in weiten Teilen Baden-Württembergs für immer beseitigt werden. Schon vier Jahre später gingen die ersten Anlagen in Betrieb. Heute bekommen vier Millionen Menschen in 320 Kommunen ihr Trinkwasser aus dem Bodensee. Das Verteilnetz reicht über den Raum Stuttgart, Heilbronn bis in den Schwarz- und Odenwald. Pro Jahr werden etwa 130 Millionen Kubikmeter Wasser abgegeben. Damit ist die Bodensee-Wasserversorgung der größte Wasserversorgungszweckverband in Deutschland. Mitglieder sind 148 Städte und Gemeinden und 34 andere Wasserversorgungs-Zweckverbände.